Dies ist der 3. Teil der Reihe: Schwerpunkte der Legasthenie- und Dyskalkulietherapie

Teil 3: Therapie der Rechenstörung

Eine erfolgreiche Dyskalkulietherapie bei den Schulkindern nach der Legatrain-Methode beinhaltet das hantierende Lernen, das als eine besondere Therapietechnik zu verstehen ist und dem rechenschwachen Kind einen besonderen Zugang zu bestimmten mathematischen Grundlagen verschafft, denn das konkret Erlebte und selbst Erarbeitete kann besser verinnerlicht und in das Langzeitgedächtnis übernommen werden. Das entspricht auch dem Konzept zur Entwicklung mathematischer Fähigkeiten, das von den bekannten Psychologen und Pädagogen Piaget, Aebli und Brunner stammt und in bestimmten Stufen verläuft:

  • aktional – Erfassung von Sachverhalten durch eigene Handlungen

  • ikonisch – Erfassung von Sachverhalten durch angeschaute oder vorgestellte Bilder

  • symbolisch – Erfassung von Sachverhalten durch verbale Mitteilung und/oder mathematische Zeichensysteme (vgl. z.B. Grevsmühl, 1995).

Das bedeutet fur die pädagogische Therapie einer Rechenstörung, dass eine Vernetzung von ausreichend vielen konkreten mathematischen Handlungserfahrungen sowie deren graphischen Darstellung und Versprachlichung stufenweise erfolgen soll.

Wichtig dabei ist, dass die Materialien und Übungen, die vom Therapeuten angeboten werden, viel Raum für das eigene Handeln anbieten und auch gleichzeitig bestimmte Wahrnehmungsbereiche sowie die Aufmerksamkeit fördern.

Auf diese Art können das fürs Rechnenlernen sehr wichtige beziehungslogische und mehrgleisige Denken und somit auch die systemischen und entwickelnden Denkprozesse gefördert werden.

Die Dyskalkulietherapie umfasst die Arbeit an:

  • der Mengenerfassung
  • der Mengeneinschätzung
  • der Invarianz
  • der Zahlzerlegung
  • den Zahlenbildern
  • den Operationssymbolen (+/ – u.a.)
  • den Rechenoperationen
  • an den Zählfertigkeiten
  • an dem Größenvergleich
  • an dem Transkodieren – Übertragung aus der Wortform der Zahl in die arabische Form (drei → 3) und umgekehrt
  • an dem schriftlichen Addieren, Subtrahieren, Multiplizieren, Dividieren
  • an dem Lösen von Textaufgaben
  • an dem Verständnis des Dezimalsystems
  • an dem Regelverständnis

Wird die Therapie unter Beachtung des Leistungsstandes und der individuellen Lernvoraussetzungen nach bestimmten Therapieregeln, wie kleinschrittiges, systematisches Vorgehen, Kontinuität, ständiges Wiederholen etc. durchgeführt, so ist zu erwarten, dass das rechenschwache Schulkind seine mathematischen Leistungen weitgehend verbessert.

© Dr. Nina Hellwig, Erlangen, November 2014